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Ein Garten für uns

Am gleichen Tag, nur ein paar Stunden später, schien die Sonne warm auf die Blumenwiese im Kurpark, und zwischen den alten Bäumen flüsterte der Wind.

Altfred war da – wie fast jeden Tag. Er war schon alt, seine Hände waren kräftig, und er arbeitete gern mit den Blumen. Alles sollte so bleiben, wie es immer war. Kein Schnickschnack. Keine Spielereien. Nur schöne Beete, wie früher.

Ein Stück weiter war sein Sohn Neulin.
Er mochte es, neue Dinge auszuprobieren: bunte Wildblumen, Häuser für Bienen, und Ecken, wo Vögel sicher waren. Aber wenn er zu seinem Vater sah, fühlte er sich oft traurig. Altfred schaute streng und sagte manchmal leise:
„Was soll das bringen?“

Zwischen den beiden war etwas – wie eine unsichtbare Mauer aus Schweigen. Seit Mama gestorben war, redeten sie nicht mehr viel. Altfred arbeitete einfach weiter, und Neulin ging seinen eigenen Weg.

An einem warmen Nachmittag saßen sie nebeneinander auf einer Bank. Jeder trank aus seiner Flasche. Keiner sagte etwas.
Doch Nennia war in der Nähe – und Alva auch.

Ganz leise schlich sich Alva durch das Gras. Sie kam zu Neulins Flasche und ließ einen kleinen Zaubertropfen hinein. So leise, dass niemand etwas merkte. Dann verschwand sie wieder.

Neulin trank – und plötzlich wurde alles um ihn herum ganz besonders. Die Blumen strahlten mehr, die Luft fühlte sich weich an. Und dann…
Er erinnerte sich.

An Mama.

An ihr Lachen. An ihre warmen Augen.
Er sah sich selbst – als kleiner Junge – mit Mama und Papa im Park. Sie liefen Hand in Hand. Mama trug ihn auf den Schultern und erzählte Geschichten über die Blumen.
Damals war der Park nicht nur Arbeit. Er war ihr Zuhause.

Neulin schaute zu seinem Papa.
„Papa… erinnerst du dich? An früher? Als Mama noch da war?“

Altfred sah ihn an. Erst überrascht. Dann ganz weich. Auch er spürte den Zauber.

„Ja“, sagte er leise.
„Sie hat gesagt, jeder Garten zeigt, wie es in unserem Herzen aussieht. Vielleicht haben wir vergessen, unseren Garten zu pflegen… unseren gemeinsamen.“

Sie sprachen. Über Mama. Über früher. Über das, was schön war. Und das Schweigen war plötzlich weg – wie Nebel, der sich auflöst, wenn die Sonne scheint.

Am Ende sagte Neulin:
„Vielleicht sollten wir bald wieder zu ihrem Grab gehen. Zusammen.“

Altfred nickte.
„Ja, das sollten wir.“

Von diesem Tag an arbeiteten sie zusammen – Vater und Sohn.
Altfred zeigte Neulin, wie er früher gegärtnert hatte. Und Neulin brachte neue Ideen mit, die sogar seinen Vater zum Staunen brachten.

Sie machten den Park zu einem Ort der Erinnerung – für Mama. Und für ihre Liebe, die nie ganz verschwunden war.

 

Hast Du auch einen Ort, an dem Du dich an etwas Schönes erinnerst? Vielleicht einen Garten oder einen besonderen Platz?