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Der Kelch und die Quelle

Als die Dämmerung kam, legte sich ein anderes Licht über den Park.
Nicht dunkler.
Nur weicher.

Die Stimmen wurden leiser, das Lachen ruhiger, und zwischen den Süntelbuchen begann der Abend zu atmen.
Nennia trat einen Schritt vor, ohne dass jemand sie gerufen hätte –
und doch entstand sofort ein Kreis aus Aufmerksamkeit. Ganz von selbst.

In ihrer Hand hielt sie den Kelch aus Süntelholz.

„Viele sagen“, begann sie leise, „es sei mein Zauber.“

Sie ließ den Blick über die Menschen wandern.
„Aber der Zauber war immer in euch. Ich habe nur erinnert.“

Sie ging zum Brunnen am Rand des Parks, hob den Kelch und fing einen Tropfen auf.
Für einen kurzen Moment roch es, wie Magie eben riecht – ein wenig streng, ein wenig fremd –
und dann wurde das Wasser golden und klar.

„Dieser Tropfen ist heute für das Fest“, sagte Nennia.
„Nicht zum Trinken. Zum Erinnern.“

Sie ließ den Tropfen in eine große Schale mit Wasser gleiten.
Das Gold breitete sich aus wie Abendlicht auf einem See.
Langsam. Ohne Eile.

Baddy hielt die Schale mit beiden Pfoten fest, sehr ernst.
Und Alva legte sich wie ein grünes Band um den Rand –
warm von der Sonne des Tages.

„Wer möchte“, sagte Nennia, „taucht die Finger ein und spricht leise den Namen eines Traums, den er teilen will.“

Zuerst kamen die Kinder.
Dann die Mutigen.
Dann die Vorsichtigen.

Man tauchte die Finger ins Wasser,
strich sich einen Hauch davon an die Stirn oder ans Handgelenk,
lachte über den kurzen Geruch und lächelte über das Leuchten.
Manche flüsterten kaum hörbar.
Andere sagten nichts – aber ihre Augen erzählten genug.

Niemand nahm etwas mit.
Und doch ging jeder reicher weg.
Das Wasser blieb ruhig.
Der Kelch leerte sich nicht.

Und irgendwo zwischen Quelle und Herz wusste jeder:
Teilen macht nicht weniger. Es macht weiter.

Und Du?
Welchen Traum würdest Du über das Wasser flüstern,
damit er mit Dir und mit anderen wächst?