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Die Parade der geteilten Träume

Zum Auftakt des Festes gab es keine Reden.
Niemand trat vor ein Mikrofon.
Niemand erklärte, was nun beginnen würde.

Stattdessen setzte sich etwas in Bewegung.

Langsam.
So langsam, dass niemand den Traum des anderen überholte.
Und offen genug, dass jede und jeder mitgehen konnte –
ganz gleich, woher man kam oder wohin man wollte.

Voran ging Dorflin.
In seinen Händen hielt er einen langen Papierstreifen, den er im Gehen ausrollte.
Während er lief, zeichnete er.

Linien, die sich kreuzten.
Linien, die sich trennten.
Linien, die wieder zueinander fanden.

Neben ihm liefen Kinder mit bunten Kreidestücken.
Sie knieten sich auf den Weg, zeichneten Herzen, Sterne, Pfeile –
und manchmal einfach nur ihren Namen.
Die Kreide staubte in kleinen Wolken auf,
und der Kies knirschte leise unter den Schritten.

Hinter ihnen schob Heinz ein Klavier auf Rollen.
Die Räder rumpelten sanft über den Weg,
und seine Finger fanden eine Melodie,
die klang, als würde sie sagen: Komm dazu.

Fenster öffneten sich.
Menschen lehnten sich hinaus.
Manche klatschten vom Balkon.
Andere schlossen sich einfach an –
als hätten sie genau darauf gewartet.

Carlos trug eine große Schüssel vor sich her.
Darin trafen sich Eintöpfe aus verschiedenen Ländern.
Er nannte sie den Topf der Erinnerungen.

Wer wollte, durfte rühren.
Durfte probieren.
Durfte erzählen, woher ein Geschmack kam.

Es roch nach Kreuzkümmel und Tomaten.
Nach Zitronen und frischen Kräutern.
Nach Zuhause –
und nach Ferne zugleich.

Am Rand führte Tina ein Stück am Waldrand entlang.
Sie zeigte auf Pflanzen, die heute ihren Duft verschenken wollten.
Sie sprach leise.
Und doch hörten viele zu –
als hätte der Wald selbst darum gebeten.

Ein wenig dahinter schob Janek einen kleinen Wagen.
Darauf stand eine Schwester der großen Statue.
Er hatte sie extra für die Parade angefertigt.
Die Arme offen.
Der Blick nach vorn.

Auf dem Sockel stand:
Nimm Platz in der Freude.

Altfred und Neulin gingen von Mensch zu Mensch.
In ihren Händen lagen kleine Ableger aus dem Mitmachgarten.
An jedem steckte ein Schild:

Pflanz mich weiter.

Manche steckten die Pflanzen sofort in ihre Taschen.
Andere hielten sie noch eine Weile fest,
als müssten sie sich erst vorstellen, wo sie wachsen würden.

Mittendrin lief Jürgen.
Das blaue Handtuch hing über seiner Schulter.
Er lachte mit den Kindern, die neben ihm hüpften.

„Ich springe später“, versprach er.
Und die Kinder nahmen ihn beim Wort.

Zwischen allem liefen Baddy und Alva.
Baddy winkte jedem Hund, ganz gleich aus welchem Land er kam.
Alva schnupperte in die Luft,
als könnte sie Lächeln riechen.

Die Parade zog durch den Park,
durch Straßen
und wieder zurück.

Und mit jedem Schritt wurde deutlicher:

Das hier war kein Umzug, den man anschaut.
Es war ein Weg, den man gemeinsam ging.

Nicht schneller als nötig.
Nicht langsamer als möglich.
Einfach miteinander.

Und Du?
Wenn Du bei dieser Parade mitlaufen würdest –
was würdest Du zeigen,
damit andere Deinen Traum sehen können?