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Die Tafel der Welt

Gegen Abend stellte Carlos die Tische auf.
Nicht gerade. Nicht streng.
Sondern in einer langen, sanften Kurve – wie ein Arm, der Platz macht und einlädt.

Auf einer Kreidetafel stand:

Setz dich, wo du magst.

Auf den Tischen standen Schüsseln, Töpfe und Körbe, die aus vielen Richtungen gekommen waren.
Jemand hatte syrische Falafel gebracht.
Jemand Maultaschen.
Jemand einen Salat aus wilden Kräutern, die Tina gezeigt hatte.
Ein Bäcker aus Bückeburg legte süße Hefezöpfe dazu.
Und eine Frau aus Spanien stellte Orangen auf den Tisch, die nach Sonne rochen.

„Diese Tafel ist ein Weg“, sagte Carlos leise, während er einen Topf abstellte.
„Jeder Gang führt zu jemandem.“

Er stellte keine Regeln auf.
Nur eine:
„Erzähl mir, was du liebst, wenn ich dir reiche, was ich koche.“

So setzten sich Menschen nebeneinander, die sich vorher nie gesehen hatten.
Ein Busfahrer erzählte vom Nähen in der Nacht, wenn die Stadt schlief.
Eine Lehrerin sagte, sie wolle wieder töpfern lernen.
Eine Jugendliche sprach von Beats, die sie auf ihrem Handy komponierte – und ihre Freundin nickte und hielt mit den Füßen den Takt.

Das Essen machte Münder warm, die sonst wenig sagen.
Und Hände, die sich reichten, blieben einen Moment länger verbunden, als es nötig gewesen wäre.

Heinz stand einmal auf und spielte den Topfwalzer –
ein improvisiertes Stück aus Löffel- und Glasrhythmus.
Der Chor aus Stadthagen stimmte eine zweite Stimme an.
Fast ohne dass es jemand bemerkte, wurde die Tafel selbst zu einem Lied.

Die Gespräche wanderten.
Die Teller auch.
Und niemand blieb allein.

Und Du?
Mit wem würdest Du gern an dieser Tafel sitzen –
und welche Geschichte würdest Du teilen?