In Janeks Werkstatt roch es nach Stein und Staub.
Und manchmal – ganz kurz – auch ein wenig nach Meer,
obwohl das Meer weit weg war.
So fühlte sich Stein in seinen Händen an:
alt, tief und voller Geschichten.
An der Wand hing eine Zeichnung.
Daneben der Spruch seines Großvaters, den Janek mit Bleistift darunter geschrieben hatte:
Der Stein wartet nur auf dich.
Janek stand davor, legte die Hand auf den kalten Block und atmete tief ein.
Dann begann er zu meißeln.
Erst vorsichtig.
Fast zögernd, als müsste er sich entschuldigen,
dass er etwas anderes wagte als Grabsteine.
Doch mit jedem Schlag wurde er sicherer.
Bald tanzten die Splitter durch die Luft, während das Licht durch die Werkstattfenster fiel
und in wandernden Rechtecken über den Stein lief.
Tag für Tag nahm die Figur Gestalt an.
Kein Denkmal.
Kein Grabstein.
Sondern ein Körper in Bewegung:
ein Knie leicht gebeugt, die Arme offen, der Bauch ein wenig rund –
so, als würde er gerade lachen oder gleich losgehen wollen.
Als Janek fertig war, stand er lange davor.
Seine Hände waren müde.
Seine Schultern schwer.
Doch in seinen Augen lag ein neues, helles Leuchten.
„Freude“, flüsterte er.
Er wusste: Diese Statue durfte nicht in der Werkstatt bleiben.
Sie wollte gesehen werden.
Am nächsten Tag ging er zum Rathaus.
Und plötzlich stand er wieder ganz still vor Bürgermeister Jürgen, der ihn überrascht ansah.
„Ich habe etwas gemacht“, sagte Janek.
Seine Stimme klang fester, als er erwartet hatte.
„Und ich möchte, dass es draußen steht. Für alle.“
„Wo?“, fragte der Bürgermeister.
Janek dachte kurz nach. „Dort, wo Menschen vorbeikommen“, sagte er.
„Wo man stehen bleiben darf.“
Jürgen überlegte, sah aus dem Fenster in Richtung Kurpark – und nickte.
„Im Kurpark“, sagte er. „Da gehört sie hin.“
Nennia stand neben der Tür und lächelte.
Sie trugen die Statue zu viert auf einen Wagen.
Langsam und achtsam, als würde sie schon jetzt dazugehören.
Heinz spielte beim Rollen ein ruhiges Stück auf dem Akkordeon,
das er sich aus der Musikschule ausgeliehen hatte,
und die Melodie schob den Wagen fast von selbst voran.
Als die Statue stand, mitten im Park, wurde es für einen Moment ganz still.
Dann klatschten einige.
Eine Frau wischte sich über die Augen und lächelte dabei.
„Ich hatte vergessen, wie das geht“, murmelte sie.
„Was?“, fragte Janek leise.
„Mich einfach zu freuen“, sagte sie.
Auf der Sockelplatte standen nur zwei Worte:
TEILEN. FREUDE.
Und Du?
Welches Wort würdest Du auf einen Sockel schreiben,
damit Menschen gern dort zusammenkommen?
