28Im Kurpark war es still. Die Sonne schien durch die dichten Blätter der Süntelbuchen und malte kleine Lichtflecken auf den Boden. Der Wind flüsterte in den Bäumen, und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man ein kleines bisschen Magie spüren.
Auf einer Bank, direkt neben der alten Halle, saß Janek.
Janek war Steinmetz. Er war groß, stark und hatte Hände, die nach Arbeit rochen. Auf seiner Kleidung war feiner Staub – vom Hämmern, Schleifen und Meißeln.
Neben ihm lag eine zusammengerollte Zeichnung. Darauf hatte Janek einen tanzenden Menschen gemalt – leicht, fröhlich, voller Bewegung. Doch er hatte die Zeichnung nie jemandem gezeigt. Jemand hatte zu ihm gesagt:
„Bleib bei Grabsteinen, Janek. Kunst ist nichts für dich.“
Seitdem traute Janek sich nicht mehr, seine Träume ernst zu nehmen. Er trank aus seiner alten Wasserflasche und seufzte.
Was er nicht wusste: In den Büschen ganz in der Nähe schlich Alva – mit ihren glitzernden grünen Schuppen. „Jetzt“, flüsterte Nennia, die nah bei ihr stand.
Alva glitt lautlos durchs Gras und kam direkt zur Bank. Den vorderen Teil ihres Körpers hielt sie aufrecht, Nennias Zauberstab fest eingewickelt. Mit einem leisen plopp ließ sie einen kleinen Zaubertropfen aus dem Kelch in Janeks Wasserflasche fallen. Alva schloss sie mit einem kleinen Stupser, als wäre nichts gewesen – und verschwand wieder in die Sonne.
Janek ahnte nichts. Er nahm einen großen Schluck.
Plötzlich wurde ihm ganz warm – von innen.
Etwas Kribbeliges breitete sich in seinem Bauch aus. Und dann:
Ein Bild!
Er sah sich selbst – als Junge – in der Werkstatt seines Opas.
Er meißelte ein kleines Herz aus Stein.
„Du kannst alles erschaffen, Janek“, hörte er die Stimme seines Großvaters.
„Der Stein wartet nur auf dich.“
Janek öffnete die Augen. Sein Herz pochte schneller.
Er sah die Zeichnung auf seinem Schoß.
Er sah seine Hände.
Und plötzlich wusste er: Er kann es.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Warum nicht einfach versuchen?“, flüsterte er.
Nicht weit entfernt lag Alva zusammengerollt auf einem Stein.
Nennia schaute ihr zu und sagte leise:
„Der Mut war schon da. Er brauchte nur einen Tropfen, um ihn zu finden.“
Janek stand auf. Er hielt die Zeichnung fest in der Hand.
Er lief zurück zur Werkstatt. Diesmal wollte er etwas Neues schaffen. Etwas, das tanzte, das lebte – aus Stein.
„Vielleicht“, dachte er, „wird dieses Mal alles anders.“
Was würdest Du erschaffen, wenn Du aus einem Stein alles meißeln könntest, was Du willst?
